Tischtennis-Hochburg Attendorn

Turnierleitung des TV Attendorn: Michael Klein, Oliver Maczioschek, Johannes Wilkmann (von links)

Turnierleitung des TV Attendorn: Michael Klein, Oliver Maczioschek, Johannes Wilkmann (von links)

Abteilung des Turnvereins ist 50 Jahre. Mannschaften spielten bis zur Regionalliga. Aushängeschild ist das Neujahrsturnier mit Beteiligung von Bundesligaspielern

Attendorn ( 09.04.2021 Martin Droste) Viele Jahre lang war Attendorn die Tischtennis-Hochburg des Kreises Olpe. Dafür sorgte die Abteilung des TV Attendorn, dessen Damen in den 90er-Jahren in der Regionalliga spielte. Das TVA-Herrenteam schlug Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre in der Oberliga auf. Das 1986 erstmals ausgerichtete Neujahrsturnier lockte internationale und nationale Topspieler in die Rundturnhalle. Für unsere Zeitung hat Johannes Wilkmann, der seit 2010 die Tischtennis-Abteilung des TV Attendorn leitet, im Archiv seiner Abteilung geblättert, die ihr 50-jähriges Jubiläum feiern wollte. Die große Geburtstagsparty ist coronabedingt ausgefallen.

Auch das gab’s: Tornado Attendorn

Tischtennis wurde in Attendorn schon viel früher gespielt, auch in organisierter Form. Die Vereine hießen TTC Attendorn, gegründet 1947 und TTC Tornado Attendorn (1948). Gespielt wurde in den Lokalen Kaiserhof, Jägerhaus, in der Bahnhofsgaststätte oder im Ratskeller. Nach der Auflösung des TTC Tornado im Jahr 1953 bildete sich innerhalb der Kolpingsfamilie eine Spielgruppe mit dem Namen TTC KF (wie Kolpingsfamilie). Trainiert wurde im Kolpinghaus. „Das war ein toller Raum zum Feiern“, erinnerte sich Marlies Kleinke aus der gleichnamigen Tischtennisfamilie gern zurück. Ihren späteren Ehemann Gerhard Kleinke, den langjährigen TVA-Abteilungsleiter, lernte sie natürlich beim Tischtennis kennen. Damals trug sie noch den Mädchennamen Wacker. Wiederbelebt wurde das Spiel mit dem kleinen weißen Ball in der Hansestadt Ende der 1960er-Jahre. Am 1. Januar 1970 trat man dem Turnverein 1900 als eigenständige Abteilung bei. Die Abteilung bestand am 1. Juni 1970 aus 30 Mitgliedern und nahm mit zwei Herren-Mannschaften den Spielbetrieb in der 3. Kreisklasse auf, berichtet das Jubiläumsbuch des TVA aus dem Jahr 2000. Bis Mitte der 1990er-Jahre erlebte die Abteilung eine rasante Mitgliederentwicklung. Von 30 bei der Gründung im Jahr 1970 stieg die Zahl bis 1996 auf 145. Zu diesem Zeitpunkt nahmen bis zu zehn Mannschaften am Spielbetrieb teil. Für die Regionalliga-Damen schlugen Susanne Kleinke (heute Rohrmann) und Bianca Bexten auf.

Bei den Herren I gingen der viel zu früh verstorbene langjährige Mannschaftskapitän Bernd Cramer, Carsten Heimes, Sasa Panic, Rüdiger Heidersdorf, Roland Eggers, Michael Klein, Andreas Kober und Jürgen Ludwig an die Platte. Das Jungenteam schaffte unter den Trainern/Betreuern Carsten Heimes und Sasa Panic den Sprung bin in die Verbandsliga. Auf Eigengewächse hat man beim TV Attendorn immer großen Wert gelegt. Gerd Heimes ist das einzig noch aktive Gründungsmitglied, er nimmt nach wie vor am Meisterschaftsbetrieb teil und trainiert den Nachwuchs. Seine Söhne Carsten und Wolfgang sind seit vielen Jahren in den höherklassigen TVA-Mannschaften aktiv.

Chen Zhibin war beim Neujahrsturnier Seriensieger in der hochkarätig besetzten Herren-S-Klasse. An den Start in der Rundturnhalle gingen auch prominente Sportler wie Zoltan Fejer-Konnerth, Steffen Mengel, Ruwen Filus, Altmeister Wilfried Lieck sowie in der Damen-A-Konkurrenz Europameisterin Elke Schall und Xiao Na Shan.

Bei 32 Neujahrsturnieren erlebten der langjährige Turnierdirektor Roland Eggers und sein Team eine Menge. In Erinnerung bleibt das Blitzeis-Neujahrsereignis, das die Autofahrt nach Attendorn zur Rutschpartie werden ließ. „Früher mussten wir die Tischtennisplatten aus Dortmund oder Essen holen. Da haben wir immer gezittert, dass der Lkw mit den Platten rechtzeitig ankommen würde. Das war schon ein Risiko. Heute gehören alle Platten dem Verein“, blickt Gerhard Kleinke zurück.

Das schmerzhafte Aus

Seit drei Jahren werden die Tischtennisplatten für das Neujahrsturnier nicht mehr in der Rundturnhalle aufgebaut. Nach „einem längeren Abwägungsprozess“, so Johannes Wilkmann, wurde die 33. Auflage 2019 abgesagt. „Uns tut das allen sehr leid, aber es hat keinen Zweck“, berichtete damals ein enttäuschter Abteilungsleiter. Knackpunkt war der Turnierausfall 2016. Da wurden in der Rundturnhalle Flüchtlinge einquartiert. Die Absage verstärkte eine Entwicklung, die schon eingesetzt hatte. Trotz des großen Einsatzes von Abteilungsleiter Johannes Wilkmann, Turnierleiter Roland Eggers, Chef-Statistiker Oliver Maczioschek und Co. erreichten die Teilnehmerzahlen nie mehr das Niveau früherer Jahre, mit Spitzenwerten von über 500 Aktiven, zudem war der Aufwand mit immer weniger Helfern kaum noch zu stemmen. Für den nächsten Nackenschlag sorgte die Corona-Pandemie. Seit fast einem Jahr ist beim TV Attendorn kein geregelter Trainings- und Meisterschaftsbetrieb mehr möglich. Die Saison 2020/21 wurde abgebrochen und annulliert. Zu dem Zeitpunkt lagen die Herren I auf dem ersten Platz der Bezirksliga.

Berichte aus 2021

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