Radsport im TVA - Die Erfüllung eines Kindheitstraums

Bei ihren Heimrennen in Attendorn Mitte der 1990er Jahre – hier kurz vor der Zielankunft im Ortsteil Schwalbenohl – stand Tanja Hennes mehrfach ganz oben auf dem Siegertreppchen. 

TVA-Urgestein Manfred Hennes etabliert den Radsport in der Hansestadt. Vor 51 Jahren gründen sich die „Lilas“

Attendorn (13.04.2021 Martin Droste) Niemand hat die 1970 beim TV Attendorn gegründete Radsport-Abteilung so geprägt wie Manfred Hennes. „Mister Radsport“ war mehr als nur der langjährige Abteilungsleiter der „Lilas“, wie seine Schützlinge wegen der markanten Trikotfarbe deutschlandweit genannt wurden. Der Gründer der vor 51 Jahren von der DJK Grün-Weiß zum großen TV Attendorn gewechselten Abteilung kümmerte sich auch als „Trainer, Mechaniker, Anschieber, Verpflegungshelfer, Motivator oder Sanitäter“ um die Athleten. So heißt es im Nachruf seiner Radsportler für den 2012 nach schwerer Krankheit viel zu früh verstorbenen Hennes.

Bis zwei Jahre vor seinem Tod saß der ehemalige Ausbildungsleiter der LEWA (Lehrwerkstatt) Attendorn als Rentner selbst im Sattel und fuhr bis zu 15.000 Kilometer im Jahr. Seine Abteilung beschrieb ihn so: „Radsport-Urgestein? Ja. Wenn nicht Manfred Hennes, wer dann? Seit er als Kind ein Rennrad geschenkt bekam, war der Attendorner Feuer und Flamme für den Radsport. Sein sehnlichster Wunsch war, diesen im Kreis Olpe bekannt zu machen und zu zeigen, was es bedeutet, Straßenfahrer zu sein. 1964 gründete er mit einer kleinen Gruppe von Mitstreitern die Abteilung Radsport innerhalb der DJK Grün-Weiß Attendorn, die 1970 zum TV Attendorn wechselte (…) Aus den Reihen der Attendorner Lilas (…) gingen zwei Deutscher Meister, etliche Landesmeister und eine Bundesliga-Meistermannschaft hervor. Und nicht nur wegen der sportlichen Erfolge hat der Verein beim Verband einen guten Namen.“

Bekannt für seine klare Kante

Wenn ihm etwas nicht passte, bezog Manfred Hennes klar Stellung. Der Radsportexperte war ein Mann der klaren Worte, gerade wenn es seinen Sport betraf. So meldete sich Hennes im Januar 1970 in „Sachen Horst Kämpfer“ zu Wort. Der aus Attendorn stammende dreifache deutsche Bergmeister hatte sich nicht freiwillig aus dem Sauerland verabschiedet. Das brachte Manfred Hennes auf die Palme, der in einem Leserbrief Dampf abließ: „Leistungssport scheint im Landkreis Olpe nicht gefragt zu sein! Zu dieser Erkenntnis musste ich nach fünf Jahren Radsport in Attendorn kommen, weil sich vor wenigen Tagen der dreifache Deutsche Meister Horst Kämpfer schweren Herzens bei der einzigen Radsportgruppe des Kreises abmelden musste. Es war nicht möglich, ihm eine angemessene Unterstützung zu verschaffen.“

Manfred Hennes hatte auch keine Angst, sich mit den sogenannten „Großkopferten“ anzulegen. Das zeigt sein Leserbrief von 1970: „Im vergangenen Jahr wurde (in Attendorn, die Redaktion) die Straßenmeisterschaft von NRW ausgerichtet; 400 Fahrer waren am Start. – Medaillengewinner von Mexiko und Weltmeisterschaftsteilnehmer waren zur Stelle, während die Herren des Kreissportbundes bisher bei keiner Veranstaltung anwesend waren. Unter diesen Umständen ist es durchaus verständlich, wenn die Radsportverantwortlichen resigniert ihre Arbeit in sportfreudigeren Orten aufnehmen.“

Aufgeben verboten

Manfred Hennes hat aber nicht resigniert und beim TV Attendorn eine Radsportabteilung mit großen Erfolgen und vielen Talenten aufgebaut. Auch als sein Sohn Christian bei einem tragischen Trainingsunfall starb, blieb Hennes seinem geliebten Sport treu. Dabei konnte er sich immer auf seine Familie verlassen, die natürlich mit dem Radsportbazillus angesteckt wurde. Sohn Rafael gehörte zum Nationalkader und fuhr im Bundesliga-Team des SC Worringen. 1997 startete er mit seiner Mannschaft bei der zweiten Auflage der „HEW Classics“ in Hamburg. In einem Zeitungsbericht von damals heißt es: „Als der Startschuss am Hauptbahnhof fiel, zählte der Veranstalter 500.000 Zuschauer an der Strecke. „Seitdem ich Radrennen fahre, habe ich so etwas noch nicht erlebt“, meinte Rafael Hennes. Für den Attendorner ist die Leistungsexplosion von Tour-Sieger Ullrich nicht zu erklären. Schließlich kennt Hennes ihn seit mehreren Jahren. Auch in Hamburg setzte sich Jan Ullrich durch. Das Team von Worringen verkaufte sich prächtig. Rafael Hennes war am Ende mit Rang 25 hochzufrieden.“

Jahre später wurde Jan Ullrich des Dopings überführt. „Der Radsport wird kaputt gemacht“, fürchtete Manfred Hennes bei einem Interview 2007 angesichts von immer neuen Dopingfällen um die Zukunft seiner Sportart.

Erfolgreiche Schwiegertochter

Freuen konnte sich der Attendorner über die vielen nationalen und internationalen Erfolge seiner Schwiegertochter Tanja. Die ehemalige National- und Profifahrerin setzte sich auch oft bei den „Christian-Hennes-Gedächtnisrennen“ in Erinnerung an ihren verunglückten Schwager durch, ob in der Attendorner Innenstadt oder im Schwalbenohl. Heute kümmert sich Tanja Hennes beim TV Attendorn um den Radsport-Nachwuchs.

Inzwischen steht die nächste Generation der Familie Hennes in der Verantwortung. Mit gerade 26 Jahren wurde Dominik Hennes zum Abteilungsleiter Radsport gewählt und ist damit in die Fußstapfen seines Großvaters getreten, der 2008 mit dem Bürgerpreis der Stadt Attendorn ausgezeichnet wurde. „Ich mache Radsport, seitdem ich laufen kann. Sobald ich durfte, bin ich mit sechs, sieben Jahren Rennen gefahren“, erinnert sich der junge Abteilungsleiter.

Vorbilder gab es in der Familie genug: neben dem Opa, seiner Tante und den Onkeln auch Vater Frank. „Ich habe ihm bei den Rennen immer gerne zugeguckt“, sagt der Filius, der selbst die Lizenz zum Fahren besitzt. „Es hat nie Druck von der Familie gegeben, Radsport zu betreiben“, betont Dominik Hennes. Nach einem fußballerischen Ausflug zur SG Finnentrop/Bamenohl und zum SV Heggen ist der Hansestädter längst zum Radsport zurückgekehrt.

Mit einem besonderen Kalender und vielen tollen Motiven erinnerten Winfried Peetz, Stefan Steinhanses und Walter Gander von der TVA-Radsportabteilung 2016 an „50 Jahre Radsport in Attendorn“ und damit auch an Manfred Hennes. Der Erlös kam dem St. Elisabeth Hospiz in Altenhundem zugute, in dem „Mister Radsport“ 2012 starb. Seit einigen Wochen ist die Radsportabteilung des TV Attendorn auch auf Instagram vertreten, unter: tv_attendorn_radsport

Mit ihren markanten Trikots gehen die „Lilas“ vom TV Attendorn seit vielen

Jahren deutschlandweit an den Start.

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