50 Jahre Judo im TVA - Das Beste geben, das Beste draus machen

Christian Bentke, Judo-Abteilungsleiter beim TV Attendorn.

Christian Bentke, Judo-Abteilungsleiter beim TV Attendorn.

Foto: Lothar Linke

Attendorn (02.04.2021 - Lothar Linke) 50 Jahre alt ist die Judoabteilung des TV Attendorn, und ihr 50. Jahr stand unter dem Motto: „Unser Bestes geben und das Beste draus‘ machen!“ So war dann auch der Jahresbericht 2020 überschrieben. Er endet mit einer Fanfare der Entschlossenheit: „Aber wir haben bis jetzt durchgehalten und das werden wir auch weiterhin.“ Das Beste draus machen. Das heißt bei geschlossenen Hallen: Judotraining im Hansastadion. Dort trafen sich die Aktiven den Sommer über. Unter freiem Himmel und mit genügend Abstand gingen Trockenübungen vonstatten. Darunter waren, dank kreativer Einfälle der Trainer, auch Judo-Techniken. Der Biggesee-Rundweg war die Sportstätte für Laufeinheiten und für Technik-Training mit Abstand und mit Blick auf den See, das alles leiteten Jörg Götzen und Manuel Cordes.

Judotraining im Stadion

Christian Bentke hat seinen Laptop aufgeklappt. Der Stick spuckt etwa 100 Fotos mit Judo-Motiven aus. Seit zehn Jahren ist der 33-Jährige Abteilungsleiter Judo beim Turnverein Attendorn. Zu diesem Sport ist er an seinem Arbeitsplatz gekommen. „Ich war damals bei der Firma Bruse beschäftigt. Da hat auch Rudolf Alz gearbeitet, unser Abteilungsleiter Judo seinerzeit“, erinnerte sich Bentke, „er hat mich herangeführt. Es hat Spaß gemacht, da habe ich mir gesagt: da bleibe ich bei.“ Bentke selbst kämpft seit zwölf Jahren für Bochum, hat dort drei Jahre Bundesliga erlebt, den Aufstieg und den Abstieg. Dadurch fehlte er den Attendornern „oben“, also in der höheren Gewichtsklasse. Mit seinen fast zwei Metern gehört Bentke zur Königsklasse, der über 100 Kilogramm. „Danach ist Ende“, lacht er, drüber gibt es nichts mehr.“

Als er nach Bochum ging, kämpften die Ruhrstädter noch mit Attendorn in einer Liga, starteten dann aber einen Höhenflug via Landesliga, Verbandsliga und Regionalliga bis hinauf zur Bundesliga. Doch bald ergab sich in Bochum das gleiche Problem wie in Attendorn und in vielen anderen Standorten: Die Mannschaften waren sehr jung, viele ihrer Kämpfer gingen studieren. Da haben sich viele Vereine dazu entschieden, Kampfgemeinschaften zu bilden. Die bestehen teilweise aus mehreren Städten.

Zusammenschluss mit Siegen

Attendorn schloss sich mit Siegen zu einer Kampfgemeinschaft zusammen. „In Siegen finden viele Ereignisse statt, da sind ab und zu mal Turniere für die Kleineren“, nennt Christian Bentke einen Vorteil der Kooperation.

Ein Turnier selbst hat es in Attendorn länger nicht gegeben. „Wir hatten früher mal die Kreismeisterschaften für die Männer und auch ein Kreisturnier für die Kinder“, berichtete der Abteilungsleiter, „aber das lohnte sich nicht, da kamen zu wenig Leute. Und dann ist das irgendwann eingestellt worden.“ Die Kämpfe des TV Attendorn finden in der Ursula-Schule statt, das Training ist in der Attendara-, früher Engelbertschule. Die Kinder fangen ab etwa fünf Jahren mit dem Judosport an. Ab zehn oder elf Jahren geht es dann zu den Jugendlichen hoch. Die jüngsten Jahrgänge waren in der Mehrzahl. „Aber zwischen den beiden Lockdowns, als der Sport wieder offen war, waren unheimlich wenig Kinder da“, hat Christian Bentke beobachtet, „ich weiß nicht, ob die Eltern da vielleicht skeptisch geworden sind, nach dem Motto: wenn das Kind sich da was holt, kann es vielleicht nicht mehr in die Schule oder in den Kindergarten gehen.“ In dieser Zeit waren zum ersten Mal die Jugend-Altersklassen besser besetzt als die der Kinder. Bentke: „Doch setzt bei den Jugendlichen teilweise der Gedanke ein: Oh, Judo ist so langweilig, da darf man nicht schlagen und nicht treten. Das sind dann so die Sätze, die ich schon mal gehört habe.“

Technisch anspruchsvoll

Aber gerade das sei das, was ihn beim Judo gehalten habe. „Das Technische, dass man ein bisschen überlegen muss. Das Schlagen und das Treten fand ich eher langweilig. Ich habe, als ich noch klein war, selber zwei Jahre Taekwondo in Helden gemacht, aber damit aber auch relativ schnell aufgehört.“ Judo ist sehr umfangreich. „Was viele gar nicht so meinen, deshalb wirkt es im Fernsehen etwas langweilig“, erklärt Bentke. Das ist auch der Grund, dafür, dass sich Pressesprecher Jörg Götzen die Mühe macht, nicht einfach nur den Wurf, der zu Sieg oder Niederlage geführt hat, zu benennen, sondern auch zu beschreiben, wie der aussieht, welche Bewegung dahintersteckt. Damit die Leute sich hinter den vielen fremden Fachbegriffen etwas vorstellen können. Bentke: „Die kann ein Außenstehender gar nicht wissen.“

Vielseitige Sportart

Grundsätzlich ist Judo, einfach ausgedrückt, aufgeteilt in Fallübungen, Bodenübungen, Standübungen und Kata. Das sind Bewegungsabläufe, die man in Prüfungen zeigen muss. Hat die Abteilung mal auf der Kippe gestanden? Bentke: „Ich denke, dass die Übergänge von Abteilungsleiter zu Abteilungsleiter schwierig sein können.“ .Corona hat de Judoabteilung zu schaffen gemacht. Auch die Zeltlager waren betroffen. Letztes Jahr hatte das Zeltlager nicht stattgefunden, die Zukunft des Zeltlagers soll abteilungsübergreifend sein. Christian Bentke: „Wir machen das jetzt nicht mehr nur vom Judo aus, sondern mit allen Abteilungen, damit die Kinder auch mal mit anderen Kindern zu tun habe haben.“ Getreu dem Motto: Aus allem das Beste machen.

Manuel Cordes erlebt Höhen und Tiefen

Judo war und ist sein Leben. Das wäre zu pathetisch ausgedrückt, und das mochte Manuel Cordes auch so nicht formulieren. „Aber es hat mich sicherlich sehr geprägt“, sagt er, „da brauchen wir nicht drüber reden.“ Gegen die Titulierung „Urgestein“ wehrt sich der 43-Jährige jedenfalls nicht. 1995, mit 18 Jahren, hat Manuel Cordes zum ersten Mal beim TVA gekämpft. Seitdem hat er 24 Saisons auf dem Buckel. „Heute stehe ich noch im Kader, ich weiß aber nicht, ob ich nochmal für die Mannschaft bereitstehe, das hat auch mit meiner beruflichen Stellung zu tun.“ Cordes ist Schulleiter an der St.-Franziskusschule in Olpe. Zum ersten Mal sind die Judoka des TV Attendorn 1994 in die Landesliga aufgestiegen, 2002 und 2013 gelang ihnen das nochmals. 1997 und 2010 mussten sie Abstiege hinnehmen. „Eigentlich war jeder Aufstieg klasse, weil es immer ein Einschub war“, blickte Manuel Cordes zurück, „da haben die Leute gesehen, dass wir was erreichen konnten. Und das als kleiner Verein.“ Denn der TV Attendorn hatte und hat zwar eine große Abteilung, ist aber im Vergleich zu den Vereinen aus dem Ruhrgebiet ein kleiner.

Freundschaft schon vor dem Wechsel

Aber eines zeichnete die TVA-Judoka stets aus: „Wenn die Leute zu uns kamen, dann, weil sie mit uns befreundet waren“, erklärte Manuel Cordes, „das waren dann Sportler, die man woanders kennengelernt hatte.“

Das was man im Fußball als Legionäre bezeichnet, gab es beim TV Attendorn nicht. Stets bestanden schon vor dem Wechsel Freundschaften, und auch, wenn die Kämpfer wieder gingen. Aus dem Grunde waren die Aufstiege wertvoll. Manuel Cordes: „Weil sie die Leute, die da waren, bestätigten. Andererseits war es für die Freunde in unserer Umgebung auch ein Zeichen dafür, dass sie in Attendorn höherklassig kämpfen konnten, dass die Truppe gut war.“ Andererseits ist ein Abstieg auch eine Möglichkeit, sich zu sortieren. Weil Leute aufhören, und damit eine Zäsur eintritt. Cordes: „Aus dem Grunde sage ich heute: In dem einen oder anderen Fall hätte man vielleicht sogar ein Jahr früher absteigen können. So blöd es vielleicht klingt.“ Das Heranführen junger Leute - beim TVA Tradition - ist leichter, wenn man in einer niedrigeren Liga kämpft.

Heute resümiert Manuel Cordes: „Ich habe mit jedem Auf- und Abstieg meinen Frieden. Die kamen immer zum richtigen Zeitpunkt, weil sie immer das Spiegelbild der Mannschaft waren.“ Zurück zur Ausgangsfrage: Wie prägt Judo einen Menschen? Manuel Cordes: „Ich glaube, als erstes ist es Verantwortung. Judo klappt nur dann, wenn ich gut mit meinem Partner umgehe. Ich habe auch eine Verantwortung für den anderen. Unser wichtigstes Trainingsgerät ist der Partner. Der kann sich nur sicher fühlen, wenn er sich darauf verlassen kann, dass ich mich an die Regeln halte.“ Judo ist entstanden aus dem Ju-Jutsu, der Gründer hat aus dem Ju-Jutsu Techniken sortiert, und gesagt: Die ungefährlichen Techniken ohne Schläge und Tritte möchte ich lehren. Manuel Cordes: „Der Leitspruch ist: Ehrlich kämpfen, bescheiden siegen, lächelnd verlieren.“

Berichte aus 2021

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